tessy
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Hallo,

ja ich weiß, ich war lange nicht mehr hier. Ich habe in der letzten Zeit so viele verschiedene Blogs gelesen, dass ich mit dem Zustand meines blogs so wenig zufrieden bin, dass ich das schreiben ganz gelassen habe. Das ist aber auch nicht gerade was ich will. Blogs die ich regelmäßig lese und die von Leuten stammen, die ich nicht persönlich kenne, haben meistens irgendein Thema. Dieser hier nicht. Ich hatte ja mal angefangen pseudophysikalische Grausamkeiten aufzuspüren und zu entlarven, aber die meisten davon stehen eh schon in Bildblog.de und die anderen sind nicht so leicht zu finden, wenn sie nicht gerade in meiner Zeitung (Kölnische Rundschau, passiert äußerst selten) stehen oder in der Uni ausgelegt werden. Bildblog hat für diesen Job ja auch mehrere Blogger und Leute die sie immer wieder auf solche Dinge hinweisen.
Über den shopblogger und Behindertenparkplatz.de bin ich jetzt auf die Idee gekommen, hier nicht mein Leben auszubreiten, aber auch nicht ausschließlich zu einem Thema was zu schreiben. In beiden Fällen wird es zu wenig. Warum schreibe ich nicht einfach auf, was mir tagsüber so passiert. Ich arbeite zwar nicht in einem Supermarkt wo mir täglich alle möglichen Menschen begegnen und ich habe auch keine Behinderung, aber mir begegnen schließlich auch alle möglichen Menschen in der Stadt und als normal würde ich mich auch nicht bezeichnen.
Also, langer Rede kurzer Sinn: Ich habe mir vorgenommen einfach zu bloggen, was mir so in den Sinn kommt.

Mal schauen wie lange ich das durchhalte
27.10.05 23:45


Sterbehilfe vs. Palliativmedizin

Kommen wir zu einem Thema, dass mich schon seit längerer Zeit beschäftigt, in der letzten Zeit aber nocheinmal besonders wachgerufen wurde. Das hatte drei Gründe:
1. hörte ich in den Nachrichten, dass in Köln jetzt ein Lehrstuhl für Palliativmedizin eingerichtet wird (für die, die nicht wissen was Palliativmedizin ist, ich erkläre das weiter unten noch). Dieser Lehrstuhl wird, wenn ich das richtig verstanden habe, von der deutschen Krebshilfe und aus Spenden finanziert und auch wenn ich die Einrichtung prinzipiell für Begrüßenswert halte, finde ich es schade, dass das Land für so was anscheindend kein Geld hat.
2. Las ich im Behindertenparkplatz von einem Artikel in einer überregionalen, deutschen Zeitung, der die Frage stellte, warum man denn ein behindertes Kind wenn es an Leukämie oder einer anderen schweren Krankheit erkrankt noch quält indem man ihm die bestmögliche Behandlung zukommen lässt und versucht es zu heilen. Alein diese Formulierung lässt mich, während ich sie aufschreibe schon wieder an die Decke gehen.
3. Hat mein Bruder diese Woche eine Fortbildung zum Thema Palliativmedizin gemacht.
Zur Begriffsklärung:
Nach der Definition der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ist Palliativmedizin die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung die Lebensqualität ist. Nicht die Verlängerung der Überlebenszeit um jeden Preis, sondern die Lebensqualität, also die Wünsche, Ziele und das Befinden des Patienten stehen im Vordergrund der Behandlung (Danke Wikipedia, besser hätte ich es nicht sagen können).
Zum ersten Mal begegnet bin ich diesem Begriff im Zusammenhang mit der Hospizbewegung, die sich für ein würdiges Sterben einsetzt und unheilbar kranken Menschen ermöglicht zuhause oder in einem eigenen Zimmer im Hospiz ohne Lebensverlängernde Maßnahmen und ohne Schmerzen zu leben und die die Sterbenden und ihre Angehörigen auf diesem Weg begleiten.
Da diese unheilbar kranken Menschen sehr oft Krebs haben, wundert es nicht, wenn die deutsche Krebshilfe einen solchen Lehrstuhl mitfinanziert.
Der Professor, der diesen Lehrstuhl besetzt wurde in WDR2 interviewt. Er kam dabei auch auf das Thema Sterbehilfe. Er sagte, dass die meisten gesunden Menschen sich, bei der Vorstellung Krebs im Endstadium oder eine andere unheilbare Krankheit, oder auch eine sehr starke Behinderung zu haben, aktive Sterbehilfe wünschen. "So möchte ich nicht leben müssen" habe ich auch schon oft gehört. Nach den Erfahrungen des Professors wünschen sich aber die wenigsten Menschen die in der Situation sind, dass ihr Leben künstlich verkürzt wird. Es sei denn, sie haben große Schmerzen. Befreit man einen solchen Menschen also von seinen Schmerzen, kann er in Ruhe sterben, wenn es soweit ist, ohne sich in seiner letzten Zeit zu quälen.
An dieser Stelle kommt dann auch die Geschichte mit den Behinderten rein.
Eine Behinderung ist keine Krankheit. Sie kann durch eine Krankheit verursacht sein, aber sie ist keine Krankheit. Ob das Leben eines Behinderten lebenswert ist, kann nur er selbst entscheiden. Dass er zu einer Äußerung über diese Frage oder zu der Fragestellung selbst nicht in der Lage ist, weil er z.B. geistig Behindert ist, bedeutet nicht, dass sein Leben nicht lebenswert ist. In der Nazizeit wurden Behinderte, egal welche Behinderung sie hatten, getötet oder zumindest sterilisiert und misshandelt (Kriegsverserte bilden da zwar offiziell eine Ausnahme, aber auch die wurden oft diskriminiert oder misshandelt). Das ganze Programm nannte sich Euthanasie (also Sterbeerleichterung oder guter Tod). Wenn man sich also fragt, ob man das Leiden eines behinderten Menschen verlängert, wenn man versucht tödliche Krankheiten zu bekämpfen geht man davon aus, dass ein behinderter Mensch leidet. In den genannten Beispielen ging es um ein Kind mit Down-Syndrom und eins, das stark Nierenkrank war. Beide Behandlungen waren nicht erfolgreich, was aber zumindest im ersten Fall nicht von Anfang an abzusehen war. Im Fall des Nierenkranken Kindes (das mit Dialyse und Spendernieren immerhin noch 10 Jahre alt geworden ist) wurde die Frage gestellt ob man das Kind nicht kurz nach der Geburt hätte sterben lassen sollen, um ihm seinen weiteren Leidensweg zu ersparen. Sicher hat dieses Kind viel gelitten, ist oft operiert worden, war ständig in Behandlung, aber auch dieses Kind war mal fröhlich und es hat mit Sicherheit auch schöne Momente erlebt (schließlich hatte es Eltern die es anscheinend sehr geliebt haben). Die Entscheidung, ob dieses Leben lebenswert war, steht außer dem Kind selbst, das diese Antwort nicht mehr geben kann, höchstens noch denen zu, die mit ihm zusammengelebt haben, in diesem Fall also die Eltern. Und die haben dieses Leben anscheinend für Wert befunden alles zu versuchen es zu verlängern. Damit möchte ich nicht ausdrücken, dass man jedes Leben solange erhalten sollte wie irgendwie möglich, auch wenn keine Chance auf Heilung besteht. Ich möchte nicht, dass ich oder meine Eltern noch unnötig lange beatmet werden oder, dass ihnen (oder mir) durch eine Magensonde die Chance genommen wird durch Nahrungsverweigerung selbst den Todeszeitpunkt zu bestimmen. Aber ob meine Niere arbeitet oder nicht, kann ich nicht selbst entscheiden und Dialyse ist auch keine reine lebensverlängernde Maßnahme, sondern auch eine Verbesserung der Lebensqualität. Dass bei diesem Kind die restlichen Organe irgendwann auch aufgegeben haben, war zwar vielleicht vorrauszusehen, aber es rechtfertigt nicht die Aussetzung der Dialyse.
Der Fall des Kindes mit Down-Syndrom und Leukämie hat mich noch mehr geschockt. Da wurde argumentiert, dass das Kind ja gar nicht versteht, was mit ihm bei einer Krebstherapie passiert und es so ja nur gequält wird. Zunächst besteht bei Leukämie durchaus die Chance auf Heilung, insofern ist eine solche Behandlung die Pflicht jeden Arztes. Außerdem versteht ein nicht behindertes Kleinstkind auch nicht, was mit ihm passiert bei so einer Behandlung. Trotzdem würde jeder widersprechen, wenn man sagt, dass für ein Kleinstkind eine Krebsbehandlung noch nicht zumutbar ist. Worin besteht jetzt also der fundamentale Unterschied?
Übrigens halte ich einen Menschen, der seit Jahren im Wachkoma liegt und selbstständig Atmen kann für behindert, nicht für krank oder sterbend. Da dieser Mensch nicht in der Lage ist selbstständig zu essen (wie übrigens viele ander Behinderte auch nicht, die aber bei Bewusstsein sind und wo sich die Frage insofern nicht stellt) muss er künstlich ernährt werden. Ein Abstellen dieser Ernährung bedeutet einen hilflosen Menschen verhungern zu lassen. Soviel zum Thema Terry Schiavo.
Zum Abschluss zurück zur Überschrift.
Wenn ein Mensch selbst in der Lage ist sein Leben zu beenden und er dies auch tut, nennt man das Selbstmord und das ist nicht gerade gesellschaftlich angesehen. Vor allem die Angehörigen haben darunter zu leiden, nicht nur weil sie einen geliebten Menschen verloren haben, sondern auch, weil sie die neugierigen, sensationslüsternen und zum Teil vorwurfsvollen Blicke und Kommentare ertragen müssen.
Wenn ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, sein Leben selbst zu beenden (zumindest nicht sofort, Nahrungsverweigerung ist bei vielen ja immernoch möglich) und ihm jemand dabei helfen müsste ist das auf einmal akzeptiert. In diesem Fall gibt es keine vorwurfsvollen Blicke und Kommentare mehr (Neugier und Sensationslust bleiben) aber dafür muss ein Angehöriger den geliebten Menschen selbst töten oder zumindest den Auftrag dafür geben. Glücklicherweise fällt das den meisten sehr schwer.
Durch Palliativmedizin kann man den Wunsch zu sterben vermindern indem man die Gründe ( nämlich die Symptome einer Krankheit) bekämpft. Wenn es einem Menschen körperlich nicht schlecht geht will er auch nicht mehr so schnell sterben. Damit ist für die Angehörigen ein Abschied von dem geliebten Menschen möglich und für den Sterbenden ein würdiger Abschied vom Leben.
Wer sich über die Themen Palliativmedizin und Hospiz mehr informieren will kann bei Wikipedia die Begriffe aufrufen und die angegebende Literatur studieren oder sich darüber informieren ob im Wohnort ein Hospiz oder ein Hospizverein existiert. Die informieren auch gerne und können immer Unterstützung brauchen!
28.10.05 01:32





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